Sanierung & Restrukturierung im Apothekenmarkt
Viele Apotheken stehen wirtschaftlich unter Druck. Doch eine Krise bedeutet nicht das Ende des Betriebs. Wir begleiten Apothekerinnen und Apotheker sachlich und diskret durch die Sanierung: rechtlich und betriebswirtschaftlich aus einer Hand.
Standortapotheken stehen seit Jahren unter wirtschaftlichem Druck: ein über zwölf Jahre eingefrorener Fixzuschlag, steigende Personal- und Sachkosten, der Margendruck im Wettbewerb mit Versandapotheken und die Folgen des Skonto-Urteils des Bundesgerichtshofs. Die zwischen Juli und September 2026 schrittweise in Kraft getretene Apothekenreform bringt eine erste Honoraranhebung und gibt die Skonti im Einkauf wieder frei. An der angespannten Ertragslage vieler Betriebe ändert das jedoch wenig, zumal zum Januar 2027 ein höherer Kassenabschlag gegenläuft. Als interdisziplinäres Team aus Rechtsanwälten und Betriebswirten begleiten wir Apothekerinnen und Apotheker sachlich und diskret durch die Krise, mit dem Ziel, den Betrieb fortzuführen und Standorte zu erhalten.
Jetzt kontaktierenKontext
Ein Überblick über die wirtschaftliche Lage, die gesetzlichen Entwicklungen und die haftungsrechtlichen Folgen für Apotheken und ihre Inhaber.
Die wirtschaftliche Lage vieler Apotheken bleibt angespannt. Zum 30. Juni 2026 gab es bundesweit noch 16.488 Apotheken, der niedrigste Stand seit knapp 50 Jahren. Aussagekräftiger als die Standortzahl ist die Ertragslage: Das Betriebsergebnis einer durchschnittlichen Apotheke lag 2025 bei 4,2 Prozent des Nettoumsatzes, 2015 waren es 6,5 Prozent. Bei rund einem Drittel der Betriebe blieben weniger als 100.000 Euro.
Der Fixzuschlag je Packung lag seit 2013 unverändert bei 8,35 Euro, während Kosten für Personal, Energie und Dienstleister deutlich gestiegen sind. Mit dem ApoVWG, das am 2. Juli 2026 in Kraft getreten ist, hat die Apothekenreform eine erste Stufe genommen. Die Honoraranhebung selbst erfolgt über die 3. AMPreisV-Änderungsverordnung: Das Fixum stieg zum 1. Juli 2026 auf 9,00 Euro und steigt zum 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro. Der prozentuale Zuschlag von 3 Prozent bleibt dabei unverändert und ist für die ab 2028 vorgesehenen Honorarverhandlungen als Untergrenze festgeschrieben.
Gemessen am über zwölfjährigen Stillstand und an den gestiegenen Betriebskosten bewerten viele Betriebe und Verbände die Anpassung als unzureichend. Entscheidend ist ohnehin, was netto bleibt: Zum 1. Januar 2027 steigt der Apothekenabschlag zugunsten der Krankenkassen von 1,77 auf 2,07 Euro je Packung und zieht einen erheblichen Teil der Anhebung wieder ab. Hinzu kommen die Margenverluste aus dem Skonto-Urteil von 2024, das erst im September 2026 per Verordnung korrigiert wurde, der Wettbewerb mit Versandapotheken und der Fachkräftemangel.
Seit September 2026 sind handelsübliche Skonti im Einkauf wieder zulässig. Die Regelung erfasst allerdings nur echte Skonti, die für eine Zahlung vor Fälligkeit gewährt werden. Wer sie nutzen will, braucht freie Liquidität und verkürzt sein Zahlungsziel, was Kapitalkosten verursacht. Betriebe, die ihre Zahlungsziele bereits ausschöpfen, profitieren deshalb kaum. Im Markt wird zudem befürchtet, dass Großhändler bisherige Rabatte zurückfahren und stattdessen verstärkt Skonti gewähren. Betriebe, die mangels Liquidität keine Skonti ziehen können, stünden dann schlechter da als vor der Neuregelung. Gerade für Betriebe mit Altdarlehen aus Kauf- oder Übernahmefinanzierungen kann diese Gemengelage rasch zu einer Liquiditätskrise führen.
Mit der Reform dürfen Apotheken deutlich mehr Leistungen anbieten, etwa Impfungen mit allen Totimpfstoffen, Blutentnahmen, Schnelltests sowie neue Präventionsleistungen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Diese Leistungen sind gesondert abrechenbar und können eine zusätzliche Ertragsquelle sein. Viele Betriebe schrecken jedoch vor dem Dokumentationsaufwand zurück, hinzu kommt die Frage nach geeigneten Räumlichkeiten. Technische Lösungen, zunehmend auch KI-gestützte Dokumentation, können den Aufwand senken, das Angebot am Markt ist allerdings groß. Ob sich pharmazeutische Dienstleistungen für einen Standort lohnen, ist deshalb im Einzelfall zu prüfen.
Auch pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) erhalten mehr Befugnisse: Nach ärztlicher Schulung, deren Curricula derzeit erarbeitet werden, dürfen sie unter Aufsicht eines impfberechtigten Apothekers Impfstoffe verabreichen. Erfahrene PTA können den Betrieb zudem vorübergehend aufrechterhalten, wenn kein Apotheker als Vertretung verfügbar ist. Das gilt allerdings nur in ländlichen Regionen auf Antrag mit behördlicher Genehmigung, an höchstens 20 Tagen im Jahr und maximal 10 Tagen am Stück. Die Regelung ist zunächst als Erprobung bis Ende 2031 angelegt. Für inhabergeführte Apotheken auf dem Land kann das bei Urlaub oder Krankheit eine spürbare Entlastung sein.
Beim Kauf von Apothekenstandorten war die anhaltende Verschlechterung der Rahmenbedingungen oft nicht absehbar: Finanziert wurden Kaufpreise, die heute nicht mehr gerechtfertigt wären. Kommen örtliche Belastungsfaktoren hinzu, etwa Straßenbauarbeiten oder die Schließung von Arztpraxen in der Nachbarschaft, entsteht schnell eine wirtschaftliche Krise. Die Handlungsmöglichkeiten hängen dann vom Krisenstadium ab: Bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit greifen rechtliche Pflichten, Antragsfristen sowie Haftungs- und Strafbarkeitsrisiken. Wer die Liquiditätslage frühzeitig prüfen lässt, erhält sich die größeren Handlungsspielräume für eine geordnete Sanierung.
Der Betrieb einer Apotheke ist an die Person des approbierten Apothekers gebunden: Nur er darf die Apotheke in eigener Verantwortung leiten (§§ 1, 2, 7 ApoG). Ein Insolvenzverwalter ohne Approbation darf das nicht, ohne den Apotheker müsste der Betrieb geschlossen werden. Die Bereitschaft des Apothekers, die Apotheke persönlich fortzuführen, ist deshalb ein Sanierungsbeitrag, den niemand ersetzen kann. Das verschafft dem Apotheker eine besondere Stellung: Nach § 245 Abs. 2 Satz 2 InsO darf ihm trotz des sonst geltenden Obstruktionsverbots der fortgeführte Betrieb als wirtschaftlicher Wert verbleiben, wenn seine Mitwirkung für die Sanierung unerlässlich ist. Diesen Grundsatz haben wir bereits 2017 vor dem AG Osnabrück erfolgreich durchgesetzt – noch bevor der Gesetzgeber ihn ausdrücklich ins Gesetz aufgenommen hat.
Jetzt kontaktierenLeistungen
Wirtschaftliche Krisen im Gesundheitswesen folgen eigenen Regeln. Wir bewerten Ihre Situation rechtlich und betriebswirtschaftlich, erkennen Risiken frühzeitig und zeigen Ihnen tragfähige Handlungsoptionen auf.
Integrierte Liquiditätsplanung über 18–24 Monate sowie eine kurzfristige Planung auf Wochenebene.
Belastbare Prognose als Grundlage der Unternehmensplanung und der weiteren Entscheidungen.
Rechtssichere Bewertung nach §§ 17, 18 InsO ob und wann ein Insolvenzgrund vorliegt.
Identifikation der Strafbarkeitsrisiken, bevor sie entstehen.
Auf Basis des festgestellten Krisenstadiums, von freien Sanierungsverhandlungen über StaRUG bis zur Sanierung über einen Insolvenzplan in der Eigenverwaltung.
Prüfung von Schuldenschnitt, Laufzeitverlängerung oder Tilgungsaussetzung bei Darlehen und Verträgen.
Konzept und Plan, die auf den Erhalt sämtlicher Standorte ausgerichtet sind, nicht auf deren Verkauf, und eine höhere Gläubigerquote als jede Verwertungsalternative anstreben.
Systematische Analyse von Einkauf, Sortiment, Personaleinsatz und Abläufen sowie der Chancen neuer Leistungsangebote wie pharmazeutischer Dienstleistungen, gemeinsam erarbeitet in einem Workshop mit Ihnen und Ihrem Team.
Fundierte Ursachenanalyse und ein daraus entwickeltes Maßnahmenpaket als Grundlage für die weitere Sanierung.
Je nach Handlungsdruck kommen unterschiedliche Wege in Betracht: ein Restrukturierungsplan nach dem StaRUG, solange die Krise noch nicht weit fortgeschritten ist; ein Insolvenzplan in Eigenverwaltung bei akuter Liquiditätskrise, der gerade auf die Fortführung sämtlicher Standorte zielt; oder die Sanierungsmoderation zur Einigung mit besicherten Gläubigern. Für sanierende Apotheker sieht das Sanierungsrecht zudem eine besondere Privilegierung vor (§ 245 Abs. 2 S. 2 InsO, § 28 StaRUG), die in Verhandlungen mit Gläubigern eine starke Position verschaffen kann. Welcher Weg passt, wird individuell anhand von Krisenstadium und Betriebsstruktur bestimmt.
Jetzt kontaktierenWarum KRP
Umfangreiche Erfahrung in der Insolvenzplansanierung von Apotheken – mit dem Ziel, sämtliche Standorte in Eigenverwaltung fortzuführen, statt sie zu verkaufen.
Recht und Betriebswirtschaft aus einer Hand – ohne Abstimmungsverluste zwischen Kanzlei und Beratung.
Über 60 Jahre gebündelte Erfahrung, mehr als 50 sanierte Unternehmen und über 100 Eigenverwaltungsplanungen, branchenübergreifend.
Vertrauliche Beratung: wir kennen die Sorge vor öffentlicher Wahrnehmung am Standort.
Lösungen, die zur Größe und Situation des Apothekenbetriebs passen.
Begleitung auf Augenhöhe, mit dem Apotheker in der Führungsverantwortung.
So funktioniert’s
Je früher die Zusammenarbeit beginnt, desto größer der Handlungsspielraum. Unser Vorgehen ist klar strukturiert und richtet sich nach dem jeweiligen Krisenstadium.
und Identifizierung des Handlungsbedarfs.
und Erstellung eines belastbaren Zahlungs- und Liquiditätsstatus.
der Handlungsoptionen je nach Krisenstadium.
für den richtigen Sanierungsweg.
rechtssicher und praxisnah.
FAQ
Hier finden Sie Antworten auf die Fragen, die Apotheker in der Krise am häufigsten beschäftigen. Bei allem Weiteren sprechen Sie uns gern direkt an.
Mehr FAQWeil eine Apotheke gesetzlich nur von einem approbierten Apotheker in eigener Verantwortung geführt werden darf (§§ 1, 2, 7 ApoG), ein Insolvenzverwalter kann diese Rolle nicht übernehmen, so dass der Betrieb ohne den Apotheker geschlossen und liquidiert werden müsste. Die Fortführung hängt damit an einer Mitwirkung, die sich rechtlich nicht erzwingen lässt. Das schlägt sich auch im Sanierungsrecht nieder: Nach § 245 Abs. 2 Satz 2 InsO darf dem Apotheker der fortgeführte Betrieb als wirtschaftlicher Wert verbleiben, wenn seine Mitwirkung für die Sanierung unerlässlich ist. Einzelne Gläubigergruppen können den Plan dann nicht blockieren. Diesen Grundsatz hat bereits das AG Osnabrück anerkannt, bevor der Gesetzgeber ihn gesetzlich verankert hat.
In vielen Fällen ja. Verfahren wie die Eigenverwaltung oder das StaRUG sind darauf ausgerichtet, den Apothekenbetrieb fortzuführen und Standorte zu erhalten, während die Sanierung umgesetzt wird. Unser Insolvenzplan-Muster zielt bewusst auf die Fortführung sämtlicher Standorte, nicht auf deren Verkauf.
Dann dürfte die Apotheke nicht weiterbetrieben werden, weil der Verwalter nicht approbiert ist. Es droht die Zwangsstilllegung nach § 5 ApoG. Deshalb ist die (vorläufige) Eigenverwaltung der einzige Weg, der die persönliche Leitung des Apothekers wahrt und eine werterhaltende Fortführung ermöglicht.
Für viele Betriebe nur begrenzt. Die Anhebung des Fixums auf 9,00 Euro (seit 1. Juli 2026) und 9,50 Euro (ab 1. Januar 2027) gleicht den über zwölfjährigen Stillstand und die gestiegenen Kosten nur teilweise aus. Hinzu kommt, dass zum 1. Januar 2027 der Kassenabschlag von 1,77 auf 2,07 Euro steigt und damit ein erheblicher Teil der Anhebung wieder abfließt. Ob sie für Ihren Standort genügt, lässt sich nur anhand einer konkreten Liquiditätsbetrachtung beurteilen.
Nicht unbedingt, aber der Spielraum verengt sich. Je früher die Liquiditätslage geprüft wird, desto mehr Handlungsoptionen bestehen. Schon der Verdacht einer drohenden Zahlungsunfähigkeit ist ein guter Zeitpunkt, fachkundigen Rat einzuholen.
Wir verschaffen uns gemeinsam ein klares Bild Ihrer Situation, indem wir die wirtschaftliche Lage Ihrer Apotheke besprechen. Sie schildern uns die Ausgangslage, wir ordnen sie ein und benennen offen, welchen Beitrag wir leisten können. So entsteht Klarheit als Grundlage, um die nächsten Schritte fundiert zu überlegen. Das Gespräch ist unverbindlich und vertraulich.
Das hängt vom einzelnen Betrieb ab. Seit der Apothekenreform dürfen Apotheken unter anderem mit allen Totimpfstoffen impfen, Blut abnehmen, Schnelltests anbieten und neue Präventionsleistungen erbringen. Diese Leistungen werden gesondert vergütet, verursachen aber auch Aufwand: Sie brauchen Dokumentation, geschultes Personal und geeignete Räume. Technische und KI-gestützte Lösungen können die Dokumentation erleichtern, müssen aber zunächst einmal eingeführt werden. Ob sich das Angebot rechnet, lässt sich nur anhand von Standort, Kundschaft, Raumsituation und Personalkapazität beurteilen. Diese Fragen beziehen wir in unsere Ertragsanalyse ein.
Laut Apothekenwirtschaftsbericht 2026 lag das steuerliche Betriebsergebnis 2025 bei nur noch 4,2 Prozent des Netto-Umsatzes von durchschnittlich 4,00 Millionen Euro. Das sind rund 168.000 Euro je Apotheke. Ein Gehalt ist das nicht: Steuern, Altersvorsorge und Investitionen gehen davon ab. Und der Durchschnitt verdeckt die Spreizung: bei einem Drittel der Apotheken lag das Ergebnis unter 100.000 Euro, sieben Prozent schrieben Verluste. Das höhere Packungsfixum entlastet, ersetzt aber keine tragfähige Ertragsstruktur. Entscheidend bleibt der Blick auf die eigenen Kennzahlen: Rohertrag, Personalkosten, Einkauf, Filialstruktur, Liquidität. Hier setzen wir an: von der Ergebnisverbesserung im laufenden Betrieb über die außergerichtliche Sanierung bis zur Eigenverwaltung.
Blog
Gesundheitswesen
Was jetzt auf Krankenhäuser zukommt.
Zum Artikel
Gesundheitswesen
Vom 23. bis 25. Juni 2026 traf sich die deutsche Gesundheitsbranche im hub27 der Messe Berlin. KRP war mit einem eigenen Stand vor Ort.
Zum ArtikelIhr Unternehmen steht vor akuten oder langfristigen wirtschaftlichen Herausforderungen? Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, um Risiken zu minimieren, Chancen zu nutzen und Ihr Unternehmen nachhaltig zu stabilisieren.
Jetzt kontaktieren